Breisgauverein für Segelflug e.V.
Breisgauverein für Motorflug e.V.
Am 24. Mai 1907 fanden sich die ersten Luftsportler Freiburgs in einer Luftsportvereinigung zusammen. Eine entsprechender Eintrag beim Registergericht existiert heute noch und dokumentiert damit das langjährige Bestehen dieser Vereinigung in Freiburg. Aus dem ursprünglichen Verein für Luftschiffahrt wurde der "Breisgauverein für Luftfahrt (BVL), da immer mehr Motor- und Segelflugzeuge die Gasballone verdrängten.

Insbesondere durch den Freiburger Oskar Heim, welcher den Flugzeugführerschein Nr. 21 in Deutschland besaß und einen WRIGHT-DOPPEL- DECKER nach Freiburg brachte, gewann der BVL viele neue Interessenten und konnte somit seine Mitgliederzahl auf 182 erhöhen.


Im Jahre 1911 wurde auf dem Freiburger Exerzierplatz, "Exi" genannt die erste Halle gebaut, und es gelang dem BVL, den "Oberrheinischen Rundflug" nach Freiburg zu bringen, verbunden mit einem Luftrennen. Als erster Preis waren 500 Goldmark ausgesetzt. Angeregt durch mehrere Besuche von Zeppelin-Luftschiffen, befaßte man sich im BVL ernstlich mit der Anschaffung eines eigenen Luftschiffes. Doch der Ausbruch des 1. Weltkrieges machte diesen kühnen Plänen ein Ende und das Vereinsvermögen wurde der Kriegsführsorge geopfert. In den ersten Nachkriegsjahren führte der Verein, der Not gehorchend, zunächst nur ein Schattendasein. Aber gleich nach Aufhebung des Flugverbotes fanden sich die alten und neuen Piloten wieder zusammen und versuchten sogar mit der Gründung einer Flugschule dem Verein neuen Auftrieb zu geben.

Infolge der damaligen wirtschaftlichen Lage hatte der Motorflug wenig Erfolgsaussichten. Indessen aber wurden, von dem auf der Röhn entstandenen und schon weit entwickelten Segelflug, auch in Freiburg einige Idealisten begeistert, so daß, dank der besonderen Initiative von Ludwig Weber, im BVL eine eigene Jungfliegergruppe gegründet werden konnte.

Diese hat dann unter großen Opfern und mit Unterstützung des Arbeitsamtes in Freiburg die ersten Gleitflugzeuge als offene Holzkonstruktion mit Spanndrähten gebaut, welche nur mit Hilfe des Gummiseiles starten konnten.


Bei der Suche nach einem geeignetem Hangfluggelände experimentierte man am Schönberg, in St. Peter, am Kandel und in St. Märgen, aber auch schon in Kirchzarten-Oberried. In wenigen Jahren waren durch eine große Zahl von Idealisten in ganz Deutschland, aus diesen ersten Gleitflugzeugen wesentlich leistungsfähige Segelflugzeuge entwickelt worden und der Windenstart, aber besonders der Flugzeugschlepp, machten den wirklichen Segelflug im thermischen Aufwind möglich.

Wieder machte der Krieg allen Plänen und Hoffnungen ein Ende. Professor Liefmann, der 1. Vorsitzende des Vereines, war im KZ gestorben, aber bereits im Jahre 1951 wurde der BVL zu neuem Leben erweckt und mit neuem Mut und einer heute kaum vorstellbaren Begeisterung begann man auf dem Freiburger Flugplatz wieder mit dem Segelfliegen. Der kluge und vorausschauende Organisator dieses Neubeginns war der unvergessene Hermann Bohny, das technische Wissen und die fliegerische Erfahrung brachte Ernst Frohwein und die wenigen Piloten die den Krieg überlebten, mit.

Da der Luftsport seit jeher internationale Freundschaften fördert, konnten die Freiburger Flieger sehr bald mit tatkräftiger Hilfe der französischen Piloten von Bremgarten und Freiburg gemeinsam Segelflug betreiben.


Mit Blutspende-Aktionen und unter großen Opfern der Mitglieder wurde der "Doppelraab" als Schulflugzeug gekauft. Immer mehr verzeichnete der BVL große sportliche Leistungen. Bald kamen die ersten Motorflieger und Fallschirmsportler dazu.
1962 übertrug der DAeC dem BVL die Durchführung der Deutschen Segelflugmeisterschaft in Freiburg. Von hier aus gelangten die ersten Streckenflüge bis zum Atlantik. BVL Piloten erforschten die Leewellen der Vogesen und erreichten Segelflughöhen von bis zu 9000 m. Mit derartiger sportlichen Spitzenleistungen war Freiburg in den 60er Jahren "das" Segelflugzentrum in Deutschland. Gleichzeitig hatten die Sektionen Motorflug und Fallschirmsport beständig Zugang an Neumitgliedern, meist Jugendlichen. Die Größe der drei Sportgruppen machte es notwendig, sie jeweils nach Ihrer Sportart in drei selbständigen Vereinen zu gliedern.

  • Breisgauverein
    für Segelflug e.V. (BVS)
  • Breisgauverein
    für Motorflug e.V. (BVM)
  • Breisgauverein
    für Fallschirmsport e.V. (BVF)
Unter dem Dach des Breisgauverein für Luftfahrt (BVL).

Diese drei Vereine bauten mit enormen Arbeitseinsatz ihre heutigen Hallen, Werkstätten und Schulungsräumen fast alles in Eigenleistung, mit Spendenbeschaffungen und großem Einsatz der Mitglieder. 1976 gründeten sieben Freiburger den Freiballonclub Freiburg e.V. mit Dietrich A. Lange als Initiator und Präsidenten. Bereits 1 Jahr später startete der erste Heißlufballon "D-Ganter" zu seiner ersten Fahrt. 1981 schloß sich der Club dem Breisgauverein für Luftfahrt an, so daß damit auch die Sportart der Gründer des BVL und aller Luftfahrt überhaupt, einbezogen ist.

1976 wurde auch Gründen der Sicherheit die Segelflugausbildung und Schulung, die nur an einer Startwinde rationell ist, nach Kirchzarten-Oberried verlegt. Unter großen Opfern und mit sehr viel Eigenarbeit ist dort ein neuen Segelflugzentrum entstanden, was allerdings nur mit Hilfe der großzügigen Unterstützung der Stadt Freiburg und der Gemeinden Kirchzarten und Oberried möglich war. Heute gehören die lautlos kreisenden schlanken Segler zum gewohnten Bild über dem sommerlichen Oberrieder-Tal.

Die Ausbildung im Flugzeugschleppstart kann nach wie vor nur auf dem Flugplatz in Freiburg durchgeführt werden.

Zudem ist Freiburg stets der Startplatz für die sogenannten Strecken- oder Leistungsflüge, denn nur mit Hilfe eines Motorflugzeuges kann ein Segelflugzeug, bei entsprechender Wetterlage, früh genug und hoch genug in die Thermik über den Bergen geschleppt werden, um dann Strecken von 300 oder gar 800 km zurücklegen.


Der BVS besitzt heute neben der in Eigenarbeit gebauten Startwinde, der kpl. Werkstattausrüstung und diversen techn. Gerät 7 moderen Segelflugzeuge für Schulung und Leistungsflug, sowie in Haltergemeinschaft mit dem Emmendinger Fliegerkameraden einen Kunstoff-Motorsegler. Das Schleppflugzeug wurde in einer Gemeinschaftsaktion aller Segelflieger in Freiburg beschafft und gemeinsam unterhalten. Luftsport, wie ihn die Vereine des BVL mit fast 400 Mitgliedern betreiben, setzte immer ein großes Maß an Idealismus voraus. Ohne die oft mühevolle Aufbauarbeit in der nunmehr 90 jährigen Geschichte unserer Clubs ist die heutige zeitgemäße Leistungsfähigkeit gar nicht denkbar. Einige der Piloten des Neuaufbaues aus den Trümmern des 2. Weltkrieges sind heute noch dabei. Ihnen allen soll hier gedankt sein und in der Chronik des BVL steht unser verstorbener, langjähriger Vorsitzender, Ehrenpräsident des BVS und großer Förderer von drei Jahrzehnten Freiburger Luftfahrtgeschichte, Franz Morat ganz obenan.

Vielen Dank an alle, die sich in dieser langen Zeit für unseren Verein eingesetzt haben.

Das hier gezeigte Bildmaterial wurde freundlicherweise von Otto Frei zur Verfügung gestellt.
Breisgauverein für Segelflug e.V.<br>Breisgauverein für Motorflug e.V.
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27.07.2010
Bericht: Zeitungsbericht aus der Badischen Zeitung
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